
Berlin, 22. Mai 2025
Gastbeitrag von:
Roland Temper, langjähriger Gewerkschaftssekretär bei ver.di, und
Klaus Abel ehemaliger Bevollmächtigter der IG Metall Berlin.
„Berlin: 3,7 Millionen Menschen können ihre Zukunft gestalten“
Berlin ist eine vielfältige, lebendige Stadt mit wunderbaren Menschen von nahezu unbegrenzten Möglichkeiten. Wir Berlinerinnen und Berlin können sie nutzen.
Berlin ist eine Industriestadt. Neben den traditionellen Industriestandorten wie zum Beispiel Siemens und BMW in Spandau, dem Gasturbinenwerk von Siemens Energy in Moabit, Bayer im Wedding und Friedrichshain, Mercedes, Gilette und General Electric in Tempelhof, industrielle Klein- und Mittelgroße Unternehmen in Lichtenberg und Adlershof, sind seit Jahren Betriebe der Innovations- und Digitalisierungsbranche, sowie viele StartUps aus der Berliner Wirtschaft und Industrielandschaft nicht mehr wegzudenken.
Dies wertet den Wirtschaftsstandort Berlin in hohem Maße auf und stärkt die damit verzahnten Bereiche der direkten industriellen Wertschöpfung. Berlin ist mit über 100.000 Industriearbeitsplätzen und weiteren bis zu 90.000 Arbeitsplätzen in der StartUp-, Digitalisierungs- und Innovationslandschaft ein starker und innovativer Industriestandort, dessen Potenziale längst noch nicht ausgeschöpft sind.
Positiv zu nennen sind die in unserer Stadt entstandenen vielen Cluster aus der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Hochschulen in Industrie und Dienstleistungen. Berlin ist mittlerweile das beliebteste Startup-Hub in Europa.
Die Politik muss dafür sorgen, dass diese Spitzenposition verteidigt wird. Deshalb ist es falsch, die Hochschulen weiterem Spardruck auszusetzen. Privates Wagniskapital wird nicht ausreichen, um diesen Prozess erfolgreich fortzusetzen. Zugleich ist das wichtigste Kapital gut ausgebildete Menschen. Von der Kindertagesstätte über die Schule bis hin zu beruflicher Ausbildung und der Hochschule sind dafür die Bedingungen weiter zu verbessern und auszubauen.
Entscheidend wird darüber hinaus sein, dass wir es schaffen, der beängstigenden Wohnungsknappheit etwas entgegensetzen zu können.
Hier sind alle Berlinerinnen und Berliner gefordert, denn wenn wir es schaffen wollen ausreichenden Wohnraum zur Verfügung zu stellen, muss nicht nur die Politik entschlossen handeln, sondern alle begreifen, dass es diesen nur geben wird, wenn wir uns an einigen Stellen auch etwas zumuten. Wohnungsnot zu beklagen, gleichzeitig aber aus der eigenen Wohlfühlecke jede Initiative zum Neubau im eigenen Umfeld zu bekämpfen, ist egoistisch und schadet dem Fortkommen. Berlin hat die Chance, besser als andere europäische Metropolen und eine Reihe deutscher Großstädte dafür sorgen zu können, dass viele Menschen weiterhin auch im Citybereich wohnen können.
Die Berliner Verwaltung muss endlich erfolgreich digitalisiert werden. Während wir in der Stadt einen Boom der Digitalwirtschaft erleben, stehen wir, zumindest in Teilen der öffentlichen Verwaltung, noch am Faxgerät. Wir kommen hier nur mit Trippelschritten voran. Einige in der Berliner Politik sehen die Digitalisierung nur als Möglichkeit Personalkosten im Öffentlichen Dienst zu sparen. Dieser Ansatz ist ein falscher, denn Digitalisierung soll primär den Menschen in der Stadt helfen, öffentliche Leistungen einfacher einzuholen, aber insbesondere auch Unternehmen helfen Innovationen schneller realisieren zu können und damit marktgerechter auftreten zu können.
Die Tarifbindung nimmt auch in Berlin immer mehr ab. Industrieunternehmen sind in der Regel tarifgebunden und durch mitbestimmte gute Arbeit gekennzeichnet. Vergleichsweise hohe Einkommen in der Industrie sichern wiederum starke Binnenkaufkraft, die sich stabilisierend auf die Dienstleistungsstruktur der Berliner Stadtgesellschaft auswirkt. All das ist nicht selbstverständlich und bedarf tagtäglicher Arbeit und Fokussierung.
Seit Jahren wurde immer wieder über ein Gütesiegel „Gute Arbeit“ diskutiert, welches dazu dienen soll, gute Arbeit auch fair zu bezahlen. Es hilft dabei, wenn wir Unternehmen, die dieses Ziel verfolgen auch entsprechend positiv darstellen und alle die, die immer noch „unter dem tarifpolitischen Radar fahren“ unter Druck setzen.
Ihre Ansprechpartnerin für Medien:
Isabella Pfaff
pfaff@menschen-fuer-medien.de
+49172 7241059

